Energiesicherheit: Energieeffizienzgesetz verliert Steuerungswirkung
Pressemitteilung vom 17.04.2026
DENEFF warnt: Deutschland auf dem Weg in noch extremere Energieabhängigkeit
Berlin, 17.04.2026 – Nachdem die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) bereits vor einer Abschwächung des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) gewarnt hatte, legt sie mit ihrer Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums wichtige Hinweise nach: Die geplanten Änderungen gehen weit über notwendigen Bürokratieabbau hinaus. Sie drohen, zentrale Steuerungsmechanismen der Energiepolitik systematisch auszuhöhlen und so Deutschland noch stärker abhängig von importierten, teuren und unsicheren Energiequellen zu machen.
Im Fokus steht insbesondere die Streichung der verbindlichen Einsparbeiträge von Bund und Ländern. Sie bilden bislang die Grundlage für zentrale Förderprogramme in Gebäuden und Wirtschaft. Gleichzeitig sollen etablierte Effizienzstandards deutlich abgeschwächt werden, die wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft beitragen.
„Die Novelle ist keine Vereinfachung, sondern ein struktureller Rückbau, der erhebliche Unsicherheiten schafft. Ohne verbindliche Beiträge von Bund und Ländern und mit der Aushöhlung zentraler Regelungen verliert die Energiepolitik ihren wichtigsten Hebel, systematisch unabhängiger von Energieimporten zu werden – ausgerechnet in der zweiten Energiekrise in fünf Jahren. Dies widerspricht dem Koalitionsvertrag, der Energieeffizienz als tragende Säule für den Klimaschutz benennt“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF.
Abschwächung verstärkt strukturelle Energieabhängigkeit
Die Stellungnahme zeigt: Die geplanten Änderungen gefährden unmittelbar die energiepolitische Resilienz Deutschlands. Ohne Effizienzsteigerungen seit 2000 läge der Energieverbrauch heute 13 % höher, die Importabhängigkeit wäre statt rund zwei Dritteln bei über 80 %. Mit der geplanten Streichung der Einsparverpflichtungen von 45 TWh/Jahr (Bund) und 3 TWh/Jahr (Länder) geht genau der Mechanismus verloren, der Energieverbrauch systematisch senkt und Abhängigkeiten reduziert.
Breite Aufweichung statt punktueller Anpassung
Die Stellungnahme macht deutlich: Es handelt sich nicht um einzelne Anpassungen, sondern um eine systematische Abschwächung zentraler Instrumente.
Öffentliche Hand: Vorbildfunktion wird aufgegeben
Das Einsparziel wird abgesenkt, Kommunen werden weitgehend ausgenommen, Energiemanagementsysteme von einer Pflicht zu einer Soll-Regelung abgeschwächt. Damit verliert ausgerechnet der Staat seine Steuerungs- und Vorbildfunktion.
Unternehmen: Zentrale Effizienzhebel werden ausgehöhlt
Der Schwellenwert für Energiemanagementsysteme soll von 7,5 auf 23,6 GWh steigen. Rund 7.800 Unternehmen (~100 Mrd. kWh) würden aus der Pflicht fallen. Gleichzeitig werden große Energieverbraucher von der Pflicht zu Umsetzungsplänen entbunden. Ein erheblicher Teil des industriellen Energieverbrauchs wird damit nicht mehr systematisch adressiert.
Abwärme: Verbindlichkeit wird durch Prüfpflicht ersetzt
Die Pflichten zur Vermeidung und Nutzung von Abwärme sollen durch reine Kosten-Nutzen-Analysen ersetzt, das Abwärmeregister faktisch entwertet werden. Dabei sind Abwärmepotenziale in Höhe von 385 Mrd. kWh verfügbar – das entspricht der Größenordnung von etwa der Hälfte des Wärmebedarfs aller Gebäude in Deutschland.
„Abwärme ist eine der größten ungenutzten heimischen Energiequellen. Wenn Vermeidungs- und Nutzungspflichten abgeschafft und Daten nur noch freiwillig werden, wird ein gerade entstehender Markt abgewürgt und Deutschland macht sich unnötig weiter abhängig von unsicheren Energieimporten“, sagt Rüdiger Lohse, Geschäftsführer des DENEFF EDL_HUB.
Rechenzentren: Effizienzstandards werden gesenkt
Die Schwellenwerte sollen angehoben und Effizienzanforderungen reduziert werden. Gleichzeitig wächst der Strombedarf durch Digitalisierung stark. Andere Länder handeln klüger, und setzen auf strengere Vorgaben und vermeiden damit Milliardenkosten für den Bau neuer Großkraftwerke.
Zunehmende Inkonsistenzen im energiepolitischen Rahmen
Die Stellungnahme zeigt grundlegende Widersprüche im Gesetzentwurf auf: Zwar bleiben die Effizienzziele bestehen, zentrale Instrumente zu ihrer Umsetzung werden jedoch geschwächt oder gestrichen. Gleichzeitig erfordern EU-Vorgaben ausdrücklich zusätzliche nationale Maßnahmen. Damit wächst nicht nur die Ziellücke, sondern auch das Risiko steigender Kosten und ineffizienter Steuerung und von EU-Strafen.
Die geplante Novelle entzieht der Energiepolitik zentrale Steuerungsinstrumente, schafft neue Inkonsistenzen und gefährdet damit die Fähigkeit Deutschlands, Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken.
Hier geht es zur DENEFF-Stellungnahme: EnEfG Novelle vom April 2026
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Über die DENEFF
Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) ist ein unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die ökonomisch und politisch für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten. Mit rund 250 Mitgliedsunternehmen ist die DENEFF das führende Energiewendenetzwerk in Deutschland. Weitere Informationen finden Sie unter www.deneff.org.