Klimaschutzprogramm 2026: Richtige Ansätze, aber gefährliche Lücken bei Energieeffizienz und Gebäuden – auch mit Blick auf Energiesicherheit
Pressemitteilung vom 25.03.2026
Berlin, 25.03.2026 – Das heute vorgelegte Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung setzt aus Sicht der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) einige wichtige Impulse, bleibt jedoch insbesondere im Gebäudesektor deutlich hinter dem Erforderlichen zurück.
Positiv bewertet die DENEFF die zusätzlichen Mittel für die industrielle Transformation, insbesondere für die Dekarbonisierung der Prozesswärme, die aus Sicht der DENEFF bisher stark vernachlässigte Hälfte der Wärmewende. Auch die Aufstockung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), die Verstetigung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) sowie das geplante eigenständige Bundesgesetz zur Umsetzung der Sanierungspflichten für öffentliche Gebäude gemäß EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) setzen richtige Signale für die dringend benötigten Investitionen.
Ebenso begrüßt die DENEFF das klare Bekenntnis der Bundesregierung, dass die Wirkung des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) im Zuge der anstehenden Novelle nicht geschmälert werden darf. Sollte es dennoch zu Minderwirkungen kommen, müssen diese konsequent durch zusätzliche Maßnahmen ausgeglichen werden.
„Die Bundesregierung erkennt an zentralen Stellen die Bedeutung von Energieeffizienz an. Entscheidend ist jetzt, dass diese Ansätze konsequent umgesetzt und nicht durch politische Rückschritte konterkariert werden“, so Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF.
Gleichzeitig bleibt das Programm aus Sicht der DENEFF im Gebäudesektor klar unzureichend. Es setzt kaum neue Impulse und reicht nicht aus, um die bestehenden Zielverfehlungen zu adressieren oder absehbare negative Effekte der Rücknahme der Anforderungen an neue Heizungen durch das angekündigte Gebäudemodernisierungsgesetz zu kompensieren. Angesichts der zentralen Rolle des Gebäudesektors für die Einhaltung der Klimaziele und die Senkung der Abhängigkeit von Energieimporten ist das ein erhebliches Risiko.
Kritisch sieht die DENEFF die geplante zeitliche Umsetzung der Sanierungspflichten für öffentliche Gebäude. Dass das entsprechende Bundesgesetz erst Anfang 2027 in Kraft treten soll und anschließend noch eine Umsetzung auf Landesebene erforderlich ist, führt zu weiteren Verzögerungen.
„Die öffentliche Hand wird bereits seit über 15 Jahren immer wieder als Vorbild hervorgehoben, sie muss jetzt als Motor der energetischen Sanierung schnellstmöglich durchstarten. Dafür braucht es Tempo“, so Noll.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Energie- und Versorgungslage betont die DENEFF zudem die Notwendigkeit, zusätzlich zum Klimaschutzprogramm schnell wirksame Effizienzpotenziale jetzt konsequent zu heben. Eine breite „strategische Effizienzreserve“ aus einfach umsetzbaren Maßnahmen könnte den Energieverbrauch in Deutschland schnell und dauerhaft senken – als Ergänzung zum Klimaschutzprogramm und zur Absicherung von Energiepreisen, Versorgungssicherheit und Klimazielen. Der Einsatz von Energiedienstleistern kann die Aktivierung dieser “strategischen Effizienzreserve” in der Wohnungswirtschaft und der Industrie deutlich beschleunigen.
Umso kritischer bewertet die DENEFF aktuelle politische Diskussionen, zentrale Instrumente der Energieeinsparpolitik zu schwächen.
„Gerade in einer angespannten energiepolitischen Lage dürfen etablierte Rahmenbedingungen wie das Gebäudeenergiegesetz oder das Energieeffizienzgesetz nicht infrage gestellt werden. Eine Abschwächung wäre das falsche Signal zur falschen Zeit“, so Noll.
Die DENEFF empfiehlt ferner, das Klimaschutzprogramm 2026 im weiteren Verfahren konsequent am Prinzip „Efficiency First“ auszurichten: mit stärkeren Impulsen für den Gebäudesektor, verlässlichen Investitionsbedingungen für Effizienzmaßnahmen als Grundlage einer effizienten Transformation.
Hier das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung zum Download.
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Über die DENEFF
Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) ist ein unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die ökonomisch und politisch für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten. Mit rund 250 Mitgliedsunternehmen ist die DENEFF das führende Energiewendenetzwerk in Deutschland. Weitere Informationen finden Sie unter www.deneff.org.