Leak zum Electrification Action Plan

Energieeffizienz entlastet Netze und Kosten

Pressemitteilung vom 16. Juli 2026

Berlin/Brüssel, 16.07.2026 – Diesen Freitag will die EU-Kommission ihren Electrification Action Plan vorstellen. Aus einem vorliegenden Leak wird deutlich: Die Kommission will die Elektrifizierung von Gebäude, Industrie und Verkehr als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und geringere fossile Importabhängigkeit beschleunigen. Vorgesehen sind unter anderem ein europäisches Elektrifizierungsziel, Maßnahmen zur Verbesserung des Strom-Gas-Preisverhältnisses, die Senkung von Abgaben und Steuern auf Strom, der Abbau fossiler Subventionen sowie eine Reform der Netzentgelte.

Elektrifizierung: Besser mit Energieeffizienz

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) sieht darin ein wichtiges Signal. Sie warnt jedoch davor, Energieeffizienz lediglich als Begleitthema zu behandeln. Damit Elektrifizierung schnell, bezahlbar und systemdienlich gelingt, müssen gleichzeitig Effizienzpotenziale verbindlich genutzt werden, um den Strombedarf und damit die Systemkosten im Zaum zu halten.

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF: „Elektrifizierung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien müssen gemeinsam vorangebracht werden. Nur so entkommen wir der Abhängigkeitsfalle teurer fossiler Energieimporte und machen Energie dauerhaft sicher und bezahlbar. Strom im Verhältnis zu Gas günstiger zu machen ist wichtig — aber ohne Effizienz drohen ein unnötig hoher Strombedarf, steigende Netzkosten und immer neue Subventionen.“

Positiv bewertet die DENEFF, dass der Entwurf von „efficient electrification“ spricht und einzelne Effizienzbezüge enthält. So regt die Kommission bei Gebäuden an, Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher und saubere Wärme mit Maßnahmen an Gebäudehülle und Sanierung zu kombinieren.

Positiv: Kommission betont effiziente Elektrifizierung

Auch für die Industrie enthält der Entwurf relevante Ansätze. Positiv ist insbesondere die angekündigte zweite Industrial Heat Auction unter dem Innovation Fund, die sogenannte „Heat Bank IF26“. Sie soll Investitionen in elektrifizierte und erneuerbare Prozesswärme beschleunigen und fossile Importabhängigkeiten verringern. Entscheidend ist, dass solche Förderinstrumente effiziente Prozesswärme, Abwärmenutzung, Speicher, digitale Steuerung und Energiemanagement zusammendenken. Auch die angekündigte EU-Abwärme-Initiative begrüßt die DENEFF ausdrücklich, da das Abwärmepotenzial allein in Deutschland mit mehr als 385 TWh/Jahr enorm ist.

Energieeffizienz ist kein Nebenthema, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor europäischer Energiepolitik. Effiziente Gebäude, Produktionsprozesse und technische Anlagen senken Anschlussleistungen, Netzbelastungen und Kapazitätsbedarfe. Europäische Effizienzpolitiken haben bereits greifbare Erfolge geliefert: Durch Effizienzsteigerungen wurde die Energierechnung Europas um rund 30 Prozent reduziert. Zugleich bilden Energieeffizienzunternehmen ein bedeutendes industrielles Ökosystem mit rund einer Million Arbeitsplätzen allein in Deutschland.

Electrification Action Plan sollte drei Punkte nachschärfen

Aus Sicht der DENEFF sollte der Electrification Action Plan deshalb drei Punkte nachschärfen:

  • Erstens muss das Prinzip „Energy Efficiency First“ aus der EU-Energieeffizienzrichtlinie bei Infrastrukturplanung, Förderprogrammen angewendet werden. Entlastungen bei Netzentgelten und anderen Energieabgaben und -steuern müssen an Investitionen in eine effiziente Transformation geknüpft werden.
  • Zweitens muss die angekündigte Reform der Netzentgelte effiziente und flexible Elektrifizierung belohnen.
  • Drittens braucht Europa Leitmärkte für effiziente Elektrifizierungs- und Energieeffizienztechnologien — von industriellen Wärmepumpen, Abwärmenutzung, Speicher und Energiemanagement bis zu technischer Isolierung, Pumpen, Armaturen und Energiedienstleistungen.

Das ungenutzte Potenzial bleibt enorm: Allein in Deutschland könnte die Industrie durch Investitionen in effiziente Produktions- und Prozesswärmetechnologien bis zu 29 Milliarden Euro Energiekosten pro Jahr vermeiden. Der Markt für saubere und effiziente grüne Prozesswärmetechnologien hat zudem das Potenzial, in Deutschland um das 18-Fache und in Europa um das 22-Fache zu wachsen.

Energiedienstleistungen stärker berücksichtigen

Noch zu kurz kommen im Entwurf Energiedienstleistungen als zentraler Hebel. Modelle wie Heat-as-a-Service für industrielle Prozesse oder Social Contracting für Mietwohngebäude können Investitionshürden senken, Effizienzgewinne absichern und Unternehmen, Vermietende sowie Mieterinnen und Mieter ohne hohe Anfangsinvestitionen an effizienter Elektrifizierung beteiligen.

Noll: „Ein europäisches Elektrifizierungsziel kann ein starkes Signal sein. Es braucht aber flankierende Effizienzziele und -Maßnahmen. Sonst bleibt Europa beim alten Muster: mehr Infrastruktur, mehr Förderung, mehr Kosten. Effiziente Elektrifizierung ist der kostengünstigste Weg zu Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz.“

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Über die DENEFF

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) ist ein unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die ökonomisch und politisch für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten. Mit über 200 Mitgliedsunternehmen ist die DENEFF das führende Energiewendenetzwerk in Deutschland.