Energieeffizienz: 60 Millionen Euro vermiedene Importkosten pro Tag stehen auf dem Spiel
Pressemitteilung vom 26. Mai 2026
DENEFF mahnt Bundeskabinett zur Stärkung des Energieeffizienzgesetzes
Berlin, 26. Mai 2026 – Berlin, 26. Mai 2026 – Morgen könnte das Bundeskabinett den Entwurf zur Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschließen. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) warnt, werden Effizienzanforderungen abgeschwächt, erhöht dies Deutschlands Importabhängigkeit. Ohne die seit 2000 erreichten Steigerungen der Energieproduktivität wäre diese Verwundbarkeit für Deutschland noch deutlich größer. Nach Berechnungen der DENEFF würde eine höhere Importabhängigkeit bei aktuellen fossilen Marktpreisen zusätzliche Importkosten im Wert von rund 60 Millionen Euro pro Tag bedeuten. Die Blockade der Straße von Hormus zeigt, wie verwundbar importabhängige Volkswirtschaften auf den Weltenergiemärkten sind.
„Wer in dieser Lage Energieeffizienzpolitik abschwächt, gefährdet Deutschlands Resilienz“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF. „Energieeffizienz und Energieproduktivität sorgen dafür, dass Unternehmen und Volkswirtschaft eine höhere Wertschöpfung aus ihrem Energiebedarf erzielen. Das senkt Importkosten, Preisrisiken und geopolitische Verwundbarkeit. Gerade jetzt darf die Bundesregierung das Energieeffizienzgesetz daher nicht abschwächen.“
Ohne die seit 2000 erreichten Steigerungen der Energieproduktivität läge Deutschlands Energieverbrauch heute 13 Prozent höher. Die Importabhängigkeit läge bei über 80 Prozent statt 65,6 Prozent. Bei aktuellen fossilen Marktpreisen entspräche die Differenz rund 20 Milliarden Euro jährlich. Seit Beginn der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus Anfang März summiert sich dieser rechnerische Sicherheitswert auf rund 5 Milliarden Euro.
Abwärme: Register nicht entwerten, sondern nutzen
Abwärme ist Energie, die bereits bezahlt und eingesetzt wurde, aber bislang als Verlust anfällt. Die Plattform für Abwärme schafft erstmals eine bundesweite Übersicht über gewerbliche Abwärmepotenziale und soll diese für Unternehmen, Kommunen und Wärmenetze nutzbar machen. Die DENEFF verweist auf verfügbare Potenziale von 385 Milliarden Kilowattstunden — dies entspricht etwa der Hälfte des Wärmebedarfs aller Gebäude in Deutschland. Würde dieses Potenzial genutzt und dadurch Erdgas ersetzt, entspräche das bereits bei einem Erdgaspreis von rund 50 Euro je Megawattstunde einer rechnerischen Entlastung von etwa 19 Milliarden Euro pro Jahr.
„Es ist bürokratischer Wahnsinn, erst mit erheblichem Aufwand ein jetzt erst recht wertvolles Abwärmeregister aufzubauen und Prozesse zu etablieren und es dann durch eine bloß noch freiwillige Eintragung zu entwerten“, so Noll. „Die Daten sind kein Selbstzweck. Sie sind die Grundlage dafür, aus ungenutzter Abwärme produktive Energie zu machen. Wer das Register schwächt, gefährdet ein Potenzial von rund 19 Milliarden Euro pro Jahr.“
EnEfG-Novelle: Bürokratieabbau ja — aber nicht auf Kosten der Wirkung
Aus Sicht der DENEFF darf die geplante Novelle des Energieeffizienzgesetzes nicht dazu führen, dass wirtschaftlich sinnvolle Standards zur Abwärmenutzung und systematischem Energiemanagement geschwächt werden. Berichtspflichten und Nachweise können vereinfacht werden — die wirksamen Hebel zur Steigerung der Energieproduktivität müssen jedoch erhalten bleiben. Bürokratieabbau muss dort ansetzen, wo Aufwand ohne zusätzlichen Nutzen entsteht.
Die DENEFF schlägt deshalb ein „Energie-ELSTER“ vor: Überlappende Berichtspflichten etwa gegenüber BAFA und DEHSt könnten nach dem Once-Only-Prinzip in einem einheitlichen System gebündelt werden, Kennzahlen und Register harmonisiert und Doppelprüfungen gestrichen werden.
„Unternehmen brauchen weniger Papierkram, aber vor allem mehr Investitionssicherheit“, so Noll. „Eine gute EnEfG-Novelle baut Bürokratie ab und sorgt zugleich dafür, dass rentable Effizienzpotenziale tatsächlich gehoben werden. Eine schlechte Novelle macht aus Entlastungspolitik eine Einladung zum Weiter-so beim Energieverbrauch.“
Die Importkostenrechnung ist auch für die Haushaltsdebatte relevant. Deutschland entlastet Energieverbrauch regelmäßig über Steuervergünstigungen, Preisbremsen, Netzentgelt- und Strompreisstützungen oder Industrieprivilegien. Je niedriger die Energieproduktivität und je stärker die Importabhängigkeit, desto größer wird der politische Druck, Energiepreise mit Milliarden aus dem Staatshaushalt abzufedern. Eine konsequente Steigerung der Energieproduktivität ist damit nicht nur ein zentraler Beitrag zur Energiewende, sondern auch eine haushalts- und sicherheitspolitische Notwendigkeit: Sie entlastet den Staatshaushalt nachhaltig und verringert Deutschlands Energieabhängigkeit.
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Über die DENEFF
Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) ist ein unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die ökonomisch und politisch für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten. Mit über 200 Mitgliedsunternehmen ist die DENEFF das führende Energiewendenetzwerk in Deutschland.