Energiekrise verschärft Handlungsdruck
Pressemitteilung vom 08.04.2026
Investitionen in Energieeffizienz verdoppeln
Berlin, 8. April 2026 – Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) unterstützt gemeinsam mit AlgorithmWatch, Bellona, Bits & Bäume, Leitmotiv und dem Umweltinstitut München einen Aufruf mit Empfehlungen zur geplanten Novelle des Energieeffizienzgesetzes: Angesichts der Energiekrise und wachsender geopolitischer Risiken ist ein verlässlicher Rahmen durch das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) entscheidend, da ein effizienterer Umgang mit Energie den Importbedarf erheblich reduzieren, Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sichern kann.
Deutschland und die EU sind in hohem Maße abhängig von importierter Energie. Müsste Deutschland allein mit heimischen Energiequellen auskommen, wären diese rechnerisch am 5. Mai aufgebraucht, in der EU nur einen Monat später, so die DENEFF. Gleichzeitig liegt das wirtschaftliche Energieeinsparpotenzial in der deutschen Industrie bei rund 40 Prozent des Endenergiebedarfs. Es kann durch Effizienzsteigerungen ohne Einschränkungen der Produktion gehoben werden, verbunden mit vermeidbaren Energiekosten von jährlich rund 29 Milliarden Euro [1].
In der Erklärung heißt es deshalb: „Die Kriege in der Ukraine und dem Iran treiben die Preise dafür massiv in die Höhe und bedrohen unsere Energiesicherheit. Wir rufen daher dazu auf, Investitionen in Energieeffizienz zu verdoppeln.“
Vor diesem Hintergrund wird das derzeit in der Bundesregierung beratene Energieeffizienzgesetz zu einem zentralen Prüfstein. Die Organisationen warnen, die aus einem geleakten Entwurf Ende letzten Jahres bekanntgewordenen geplanten Abschaffungen der Effizienzziele und Einsparverpflichtungen von Bund und Länder sowie Abschwächungen bei Energiemanagementsystemen, der Abwärmenutzung und den Effizienzanforderungen für Rechenzentren sorgen bereits jetzt für Planungsunsicherheit und bremsen Investitionen.
„Die Energiekrise zeigt: Energieeffizienz ist kein Nice-to-have, sondern eine zentrale wirtschafts- und sicherheitspolitische Notwendigkeit. Effizienz ist aber kein Selbstläufer. Wer jetzt zentrale Instrumente infrage stellt, riskiert vermeidbar hohe Energiekosten und weitere Inflation. Wir sollten die Bemühungen in Effizienzsteigerung jetzt endlich verdoppeln, wie dies in den letzten Jahren immer wieder von Wissenschaft und Fachleuten angemahnt wurde und bei der UN-Klimakonferenz 2023 von der Weltgemeinschaft beschlossen wurde“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF [2].
Ein starker und verlässlicher gesetzlicher Rahmen würde erhebliche wirtschaftliche Chancen heben: Energiekosten könnten deutlich gesenkt, Preisschocks abgefedert und die Elektrifizierung erleichtert werden. Gleichzeitig stärkt Energieeffizienz die heimische Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und erhöht die digitale Souveränität. Deutsche Unternehmen sind in vielen Bereichen bereits Marktführer – etwa bei energieeffizienten Technologien, Prozesswärme, Kühlung und Digitalisierung [3].
Die unterzeichnenden Organisationen empfehlen daher, das Energieeffizienzgesetz in seiner bestehenden Form beizubehalten und Planungssicherheit für Investitionen zu gewährleisten. Dazu gehören insbesondere:
- die Beibehaltung zentraler Regelungen zu Energiemanagementsystemen,
- verlässliche Rahmenbedingungen für Abwärmenutzung,
- sowie ambitionierte und transparente Effizienzanforderungen für Rechenzentren,
- die Verdopplung des Budgets des Förderprogramms „Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie“ (EEW).
Ein stabiler regulatorischer Rahmen ist Voraussetzung, um die erheblichen Einsparpotenziale zu erschließen und Investitionen in Milliardenhöhe zu mobilisieren.
Quellen
[1] Hochschule Niederrhein. 2025. Volkswirtschaftliche und betriebwirtschaftliche Bewertung der Energieeffizienz in der Industrie. https://network.bellona.org/content/uploads/sites/5/2025/10/Energieeffizienz_Kurzstudie-Bellona-UIM-DUH-HN.pdf
[2] COP28 UAE. 2023. LETTER TO PARTIES I. https://www.cop28.com/en/letter-to-parties
[3] Prognos. 2025. Marktanalyse: Net-Zero Technologien für energieeffiziente Prozesswärme. https://deneff.org/wp-content/uploads/2025/08/PK_Marktanalyse_Prozesswaerme_Prognos.pdf
_____
Über die DENEFF
Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) ist ein unabhängiges, branchenübergreifendes Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die ökonomisch und politisch für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten. Mit rund 250 Mitgliedsunternehmen ist die DENEFF das führende Energiewendenetzwerk in Deutschland. Weitere Informationen finden Sie unter www.deneff.org.