Wirtschaftsakteure begrüßen den Start des BMWE Stakeholderdialogs
Pressemitteilung vom 17. September 2026
Politik muss richtige Weichen stellen!
Berlin, 17. September 2026. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) startet heute den Stakeholder-Dialog „Modernisierung der Prozesswärme in Deutschland“. Ein breites Bündnis aus 23 Wirtschaftsakteuren begrüßt in einem gemeinsamen Bündnisbrief den Dialog und appelliert zugleich, dass er in konkreten politischen Maßnahmen münden muss.
Relevanz der industriellen Prozesswärme
Die industrielle Prozesswärme [1] macht zwei Drittel des industriellen Endenergiebedarfs aus, wird aber noch zu über 75 % fossil bereitgestellt [2]. Im Brief heißt es: Unternehmen wollen ihre fossilen Abhängigkeiten reduzieren und ihre Prozesswärmeversorgung dekarbonisieren [3] – stehen dabei aber vor erheblichen Hürden: hohe Energiepreise mit Verlagerungsrisiko, fehlende Netzanschlusskapazitäten und langwierige Anschlussverfahren, mangelnde Planungssicherheit, ein unzureichendes Förderregime sowie fehlende Orientierung über Technologiealternativen. Da zahlreiche Industrieunternehmen in den kommenden Jahren in neue, langlebige Anlagen investieren, müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden.
Die industrielle Wärmewende ist dabei nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Chance: Analysen zeigen Energieeinsparpotenziale von bis zu 18,7 Mrd. € pro Jahr [4], ein Marktvolumen für saubere Prozesswärmelösungen von jährlich 91 Mrd. Euro sowie nahezu eine Million neue Arbeitsplätze bis 2050 realistisch [5] – eine Steigerung um den Faktor 18 gegenüber heute.
Dialogprozess muss in verbindliche Maßnahmen münden
Der Dialogprozess müsse eine klare politische Strategie verfolgen, die die Investitionsbarrieren der Prozesswärmedekarbonisierung zielstrebig auflöst, so die Unterzeichnenden. Die Strategie müsse der Bandbreite industrieller Temperaturniveaus, Unternehmensgrößen und branchenspezifischer Transformationspfade gerecht werden – von Wärmerückgewinnung über Direktelektrifizierung mit Wärmepumpen und Power-to-Heat bis zur Nutzung von Wasserstoff, Biomasse und Abwärme. Sie müsse für den Mittelstand ebenso tragfähig sein wie für Großunternehmen, bürokratiearm ausgestaltet werden und mit einem verbindlichen, an den Investitionszyklen der Industrie ausgerichteten Zeitplan hinterlegt sein, der drohende Produktionsverlagerungen abwendet.
Das Unterstützungsangebot aus der Wirtschaft
Das Bündnis steht bereit, seine Expertise und Praxiserfahrung einzubringen, um gemeinsam mit der Bundesregierung tragfähige, zukunftssichere Lösungen zu entwickeln.
Unterzeichnende Akteure
- Bundesverband der deutschen Gießerei-Industrie e.V.
- Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.
- Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.
- Bundesverband Feuerverzinken e.V.
- Bundesverband Geothermie e.V.
- Bundesverband Glasindustrie e.V.
- Bundesverband Wärmepumpe e.V.
- Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.
- DENEFF e.V.
- Deutscher Brauer-Bund e.V.
- Deutscher Textilreinigungs-Verband DTV e.V.
- European Industrial Insulation Foundation
- Handelsverband Deutschland – HDE – e.V.
- Klimaschutz-Unternehmen e.V.
- Milchindustrie-Verband e.V.
- Stiftung Klimawirtschaft
- Tech For Net Zero
- VAIS Verband für Anlagentechnik und IndustrieService e.V.
- VDMA Metallurgie
- VDMA Power Systems
- Verband der Chemischen Industrie e.V.
- Verband der Großbäckereien e.V.
- ZVEI e.V
——–
[1] Energie, die in Produktionsprozessen zum Erhitzen, Backen, Schmelzen, etc. genutzt wird.
[2] Quelle: UBA (2023): „Endbericht: CO2-neutrale Prozesswärmeerzeugung“.
[3] Quelle: Rosenow et al. (2025): „The heat is on: Policy solutions for industrial electrification”.
[4] Quelle: Hochschule Niederrhein (2025): „Volkswirtschaftliche und betriebwirtschaftliche Bewertung der Energieeffizienz in der Industrie“
[5] Aktuell liegt die heimische Bruttowertschöpfung bei 5,5 Mrd. € bei rund 60.000 Arbeitnehmenden. Bis 2050 ist eine 18-fache Steigerung realistisch. Quelle: Prognos. (2025): „Marktanalyse: Net-Zero Technologien für energieeffiziente Industriewärme“.