10. September 2026

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Energieeffizienz, Gebäude, Industrie

Energiesicherheit in Deutschland: Warum Energieeffizienz zur Sicherheitsfrage

Energiesicherheit Policy Paper Brief

Indem Energieeffizienz den Gesamtenergiebedarf senkt, stärkt sie zugleich die strategische Autonomie, die Resilienz der Energieinfrastruktur und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Dabei steht sie nicht in Konkurrenz zum Ausbau erneuerbarer Energien, sondern hebelt diesen: Je geringer der Energiebedarf, desto schneller wächst der Anteil, den heimisch erzeugte erneuerbare Energien am Gesamtverbrauch abdecken können.

Das Heben von Energieeffizienzpotenzialen ist heute nicht nur aus Perspektive des Klimaschutzes und der Wettbewerbsfähigkeit relevant, sondern es ist zum entscheidenden Sicherheitsfaktor geworden.

Angesichts geopolitischer Risiken, möglicher Störungen der globalen Energieversorgung sowie anhaltender Unterbrechungen globaler Lieferketten auf dem Energiemarkt fordert die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), das Heben von Energieeffizienzpotenzialen als strategischen Baustein von Energiesicherheit und Resilienz zu verankern. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Fragen, welchen Beitrag Energieeffizienz zur Energiesicherheit Deutschlands leisten kann, wie sie Importabhängigkeiten langfristig reduzieren kann, weshalb das Prinzip „Energy Efficiency First" in diesem Kontext von Bedeutung ist und welche Rolle Energieeffizienz für die Stärkung kritischer Infrastruktur und der strategischen Resilienz Deutschlands spielt. (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. (2026)

Was bedeutet Energiesicherheit?

Energiesicherheit bedeutet, dass Wirtschaft, Gesellschaft und kritische Infrastruktur auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig mit Energie versorgt werden können. Dabei geht es nicht nur um ausreichend Energie. Entscheidend sind auch Diversifizierung, Versorgungssicherheit, Resilienz und die Fähigkeit, externe Schocks abzufedern. Die Europäische Kommission versteht Energieeffizienz deshalb ausdrücklich als Bestandteil europäischer Energiepolitik und hat das Prinzip „Energy Efficiency First" rechtlich verankert. Es soll bei relevanten politischen, planerischen und größeren Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden. Für Deutschland bedeutet das: Energiesicherheit sollte nicht ausschließlich von der Angebotsseite aus gedacht werden. Auch die Energienachfrage ist eine sicherheitspolitische Variable. (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. (2026); Europäische Kommission. (o. D.-a)

Warum Deutschlands Importabhängigkeit ein Sicherheitsrisiko ist?

Deutschland ist bei wichtigen Energieträgern stark auf Importe angewiesen. 2025 wurden 89 Prozent des Erdgasbedarfs und 96 Prozent des Mineralölbedarfs durch Importe gedeckt. Insgesamt lag die Importquote des deutschen Energiebedarfs bei 65,6 Prozent.

Wenn ein großer Teil des Energiebedarfs durch Importe gedeckt wird, können geopolitische Konflikte, Ausfälle von Lieferwegen oder starke Preisschwankungen die Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität unmittelbar beeinträchtigen. Deutschland ist davon besonders betroffen, weil vor allem bei Erdgas und Mineralöl eine sehr hohe Importabhängigkeit besteht. Diese Zusammenhänge werden an aktuellen Konflikten wie dem Angriffskrieg auf die Ukraine oder dem Krieg im Iran deutlich.

Gleichzeitig bleibt auch Europa abhängig von externen Energiequellen. In der EU wurden 2024 rund 57 Prozent des Energiebedarfs durch Nettoimporte gedeckt. Öl und Mineralölprodukte machten dabei 67 Prozent der Energieimporte aus, Erdgas weitere 24 Prozent. Auch das macht Europa insgesamt anfälliger für geopolitische Krisen und Konflikte. (Quellen: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security";  Eurostat. (2026) Mehr zu Importunabhängigkeit und den Standpunkten der DENEFF findet Ihr hier.

Diversifizierung allein reicht nicht

Neue Lieferanten und alternative Transportwege können Abhängigkeiten von einzelnen Staaten reduzieren. Sie beseitigen jedoch nicht die grundlegende Abhängigkeit von importierter Energie. Das zeigt den Unterschied zwischen zwei Strategien:

Strategie Was wird verändert? Beitrag zur Energiesicherheit
Diversifizierung Bezugsquellen werden verbreitert Reduziert das Risiko einzelner Lieferanten
Erneuerbare Energien Heimische Erzeugung wird erhöht Reduziert fossile Importe
Energieeffizienz Energiebedarf wird reduziert Senkt den Bedarf an Energie insgesamt

Die drei Strategien sind keine Gegensätze. Sie adressieren unterschiedliche Teile des Sicherheitsproblems.

Wie kann Deutschland seine Energiesicherheit erhöhen

Energieeffizienz wird häufig als Instrument für Klimaschutz oder Kostensenkung verstanden. Aus sicherheitspolitischer Perspektive kommt eine weitere Funktion hinzu: Energieeffizienz reduziert die Menge an Energie, die Deutschland überhaupt beschaffen und absichern muss. Das lässt sich auf einen einfachen Zusammenhang herunterbrechen: Weniger Energiebedarf → weniger Energieimporte → geringere Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks. Das ist die erste wichtige Perspektive auf Energieeffizienz als Sicherheitsinstrument.

Reduzierung des Energiebedarfs durch Energieeffizienz

Eine eingesparte Kilowattstunde ist keine Energiequelle im klassischen Sinne. Strategisch erfüllt sie jedoch eine ähnliche Funktion wie eine zusätzliche heimische Energiequelle: Sie reduziert den Bedarf an Energie, die andernfalls bereitgestellt werden müsste. Die DENEFF bezeichnet Energieeffizienz deshalb als „first fuel" der Sicherheit. Der Policy Brief „The First Fuel of Security" argumentiert, dass sinkender Energiebedarf gleichzeitig strategische Autonomie, Infrastrukturresilienz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärken kann. Das ist mehr als eine sprachliche Metapher: Energieeffizienz kann als eine Art „Souveränitätsreserve" verstanden werden – je weniger Energie benötigt wird, desto geringer ist die Abhängigkeit von externen Energiequellen.

Warum ist Energieeffizienz ein Sicherheitsfaktor?

Energieeffizienz reduziert nicht nur Energieimporte. Sie kann auch die Anforderungen an das gesamte Energiesystem senken. Das wird besonders angesichts der Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie relevant. Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und elektrische Industrieprozesse erhöhen die Bedeutung des Stromsystems. Gleichzeitig müssen Netze ausgebaut, Erzeugungskapazitäten bereitgestellt und Lastspitzen bewältigt werden.

Ein niedrigerer Energiebedarf kann hier an mehreren Stellen ansetzen:

  1. Weniger Energie muss erzeugt und bereitgestellt werden.
  2. Der Investitionsbedarf für zusätzliche Energieerzeugung kann sinken.
  3. Eine geringere Nachfrage kann dazu beitragen, Netzengpässe und Spitzenlasten zu reduzieren.
  4. Nachfrageflexibilität und Energieeffizienz können die Flexibilität und Resilienz des Energiesystems erhöhen.
  5. Die Abhängigkeit von importierten Energieträgern kann sinken.

(Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security"; International Energy Agency. (2025); 
Mehr zu industrieller Wettbewerbsfähigkeit und den Standpunkten der DENEFF dazu findet Ihr hier)

Wie macht Energieeffizienz das Energiesystem resilienter?

Die DENEFF leitet daraus einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Energieeffizienz und der Resilienz der Infrastruktur ab. Auch die Europäische Kommission betont beim Prinzip „Energy Efficiency First" einen systemischen Ansatz, bei dem neben Energieverbrauch und Kosten auch Versorgungssicherheit und weitere gesellschaftliche Vorteile berücksichtigt werden.

Ein geringerer Energiebedarf reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern kann auch die Anforderungen an das gesamte Energiesystem senken. Wird weniger Energie benötigt, können Erzeugungskapazitäten geringer dimensioniert, Stromnetze entlastet und Spitzenlasten reduziert werden. Dadurch sinkt die Krisenanfälligkeit des Energiesystems und seine Versorgungssicherheit kann gestärkt werden.

Eine weitere Rolle spielt dabei die Nachfrageflexibilität: Wenn Energieverbrauch zeitlich angepasst und Lastspitzen vermieden werden können, lässt sich die vorhandene Energieinfrastruktur effizienter nutzen. Energieeffizienz stärkt die Resilienz des Energiesystems somit auf zwei Ebenen: Sie reduziert den Energiebedarf insgesamt und kann gleichzeitig die Belastung des verbleibenden Energiesystems senken sowie dessen Flexibilität verbessern.
(Quelle: Europäische Kommission (o. D.-a)

Welche Rolle spielt Energieeffizienz für kritische Infrastruktur?

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei kritischer Infrastruktur. Krankenhäuser, Kommunikationsanlagen, Rechenzentren, Polizeistationen oder militärische Einrichtungen müssen auch bei Störungen der Energieversorgung funktionsfähig bleiben. Ein energieeffizientes Gebäude ist deshalb nicht automatisch krisensicher. Ein geringerer Energiebedarf kann aber die Abhängigkeit von einer kontinuierlichen Energieversorgung reduzieren und die Bewältigung von Störungen erleichtern. Die DENEFF schlägt deshalb vor, Energieeffizienz stärker als Bestandteil der Resilienzplanung kritischer und militärischer Infrastruktur zu berücksichtigen. (Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security")

Welche Bedeutung hat Energieeffizienz für die Verteidigungsfähigkeit?

Energiesicherheit ist auch eine Frage der Verteidigungs- und Krisenvorsorge. Deutschland muss in der Lage sein, essenzielle zivile Funktionen und militärische Einsatzbereitschaft auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Energieversorgung ist dafür eine Grundvoraussetzung.

Energieeffiziente militärische Infrastruktur

Die DENEFF schlägt vor, die Energieeffizienz militärischer Infrastruktur stärker in die Resilienzplanung einzubeziehen. Dazu gehören insbesondere:

  • Kasernen
  • militärische Krankenhäuser
  • Führungs- und Kommandozentren
  • weitere stationäre Einrichtungen

Ein geringerer Energiebedarf reduziert dabei nicht nur die Abhängigkeit vom Energiesystem. Auch der logistische Aufwand für die Versorgung stationärer Infrastruktur mit Öl und Gas kann sinken. Damit können knappe Energieressourcen dort priorisiert werden, wo eine Elektrifizierung oder Substitution nicht möglich ist – etwa bei bestimmten militärischen Luft-, See- oder schweren Landoperationen.

Eine neue Perspektive: Energieeffizienz als Teil der Verteidigungsfähigkeit

Damit verschiebt sich die Bedeutung von Energieeffizienz: Sie ist nicht nur eine Frage von Gebäudekosten oder CO₂-Emissionen. Bei kritischer Infrastruktur kann sie zu einer Frage der operativen Resilienz werden. Das sollte sich auch in der Planung und Bewertung öffentlicher Infrastruktur widerspiegeln..

(Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security"; DENEFF Policy Brief: "Mit Sicherheit, Mit Effizienz")

Warum ist Energieeffizienz auch wichtig für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit?

Die dritte strategische Perspektive betrifft die Wirtschaft. Energieeffizienz senkt nicht nur den Energiebedarf. Sie kann Unternehmen auch weniger anfällig für Energiepreisschwankungen machen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die DENEFF verweist darauf, dass die deutsche Energieeffizienzwirtschaft bereits heute rund eine Million Menschen beschäftigt. Gleichzeitig konnte Deutschland seit 2008 seinen Endenergieverbrauch um 13 Prozent senken, während das Bruttoinlandsprodukt um 22 Prozent stieg.

Das Das zeigt: Wirtschaftswachstum und sinkender Energieverbrauch sind grundsätzlich miteinander vereinbar.

Allerdings ist der Fortschritt nicht in allen Sektoren gleich. Das Umweltbundesamt weist beispielsweise darauf hin, dass Effizienzfortschritte in der Industrie durch Wirtschaftswachstum teilweise kompensiert wurden. Im Industriesektor entfällt etwa zwei Drittel des Endenergieverbrauchs auf Prozesswärme.

(Quelle: Policy Brief: "The First Fuel of Security"; DENEFF Blog: "Energieeffizienzgesetz";  Umweltbundesamt (2026)

Energieeffizienz ist auch Industriepolitik

Europa verfügt weiterhin über technologische Stärken bei industrieller Wärmerückgewinnung, Gebäudedämmung, Energiemanagement und intelligenten Netzlösungen. Eine Stärkung der Energieeffizienz kann damit nicht nur dazu beitragen, den Energiebedarf und die Importabhängigkeit zu reduzieren. Sie kann zugleich die Nachfrage nach Technologien und Dienstleistungen stärken, die für eine effizientere und resilientere Energieversorgung benötigt werden.

(Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security")

Was bedeutet „Energy Efficiency First“?

„Energy Efficiency First" bedeutet, Energieeffizienz bei relevanten politischen, planerischen und Investitionsentscheidungen systematisch mitzudenken. Das Prinzip ist auf EU-Ebene rechtlich verankert: Die EU-Energieeffizienzrichtlinie sieht Energieeffizienz als Grundprinzip europäischer Energiepolitik vor.

Es bedeutet jedoch nicht, dass immer die effizienteste Lösung unabhängig von anderen Zielen gewählt werden muss. Vielmehr sollen bei strategischen Entscheidungen Nachfragelösungen, Energieeffizienz, Versorgungssicherheit, Kosten und weitere Systemeffekte gemeinsam betrachtet werden. Genau diesen systemischen Ansatz beschreibt die Europäische Kommission in ihren Leitlinien.

Bei einer neuen Infrastrukturentscheidung sollte deshalb nicht nur gefragt werden: Wie viel zusätzliche Energieerzeugung und Netzinfrastruktur brauchen wir? Sondern auch: Wie viel Energiebedarf lässt sich wirtschaftlich vermeiden oder reduzieren? Diese Perspektive kann Investitionsentscheidungen verändern. (Quelle: Europäische Kommission. (o. D.-b)

Was sollte Deutschland für mehr Energiesicherheit tun?

Energieeffizienz sollte systematisch in Energie-, Industrie-, Sicherheits- und Investitionspolitik integriert werden.

Energieeffizienz als Bestandteil einer Energiesicherheitsstrategie verankern

Deutschland sollte Energieeffizienz ausdrücklich als Bestandteil nationaler Resilienz- und Energiesicherheitsstrategien anerkennen. Eine Energiesicherheitsstrategie sollte deshalb nicht nur Lieferquellen, Speicher und Erzeugungskapazitäten betrachten, sondern auch die Entwicklung der Energienachfrage.

Das Prinzip „Energy Efficiency First“ konsequent anwenden

Bei öffentlichen Planungs-, Förder- und Investitionsentscheidungen sollte geprüft werden, ob sich der Energiebedarf kosteneffizient reduzieren lässt. Das entspricht auch der europäischen Logik des „Energy Efficiency First"-Prinzips.

Das Energieeffizienzgesetz als strategisches Instrument erhalten

Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) bildet den zentralen gesetzlichen Rahmen für Energieeffizienz in Deutschland. Die geplante Novelle 2026 verändert diesen Rahmen; bis zum Inkrafttreten einer Novelle gilt das bestehende Gesetz weiter. Aus Sicht der DENEFF sollte die Weiterentwicklung des Gesetzes deshalb nicht dazu führen, dass zentrale Steuerungswirkungen verloren gehen. Die DENEFF warnt insbesondere davor, Effizienzanforderungen in einer Phase geopolitischer Unsicherheit und hoher Energiepreise abzuschwächen.

Kritische Infrastruktur energieeffizienter machen

Energieeffizienz sollte als Resilienzindikator stärker in die Planung und Modernisierung kritischer Infrastruktur einfließen.
Das betrifft unter anderem:

  • öffentliche Gebäude,
  • Krankenhäuser,
  • Rechenzentren,
  • Einrichtungen des Katastrophenschutzes,
  • militärische Infrastruktur.

Investitionen in Energieeffizienz erleichtern

Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, um Effizienzpotenziale zu heben. Die DENEFF plädiert deshalb unter anderem für Investitionsanreize, bessere Rahmenbedingungen für Energiemanagement und eine stärkere Nutzung von Effizienzpotenzialen in Industrie und Gebäuden..

Energieeffizienz als Teil der Resilienzsstrategie

Energieeffizienz sollte nicht allein danach bewertet werden, wie viel Energie oder CO₂ eingespart wird. Aus sicherheitspolitischer Perspektive sind auch weitere Effekte relevant: Ein geringerer Energiebedarf kann die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren, kritische Infrastruktur entlasten und die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Energiepreisschocks und Versorgungsstörungen erhöhen. Die DENEFF empfiehlt deshalb, Energieeffizienz stärker als Bestandteil von Resilienz- und Sicherheitsstrategien zu betrachten und entsprechende Investitionen nicht ausschließlich unter Klimaschutz- oder Kostengesichtspunkten zu bewerten.

(Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security"; Europäische Kommission (o. D.-a); DENEFF Blog: Energieeffizienzgesetz (EnEfG); DENEFF „Sondierungsergebnisse (2026); DENEFF (2026))

Drei Strategien, ein Ziel

Für eine resiliente Energieversorgung braucht Deutschland keinen Gegensatz zwischen Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Diversifizierung.

Strategie Primärer Effekt Sicherheitsbeitrag
Energieeffizienz Energiebedarf senken Weniger Energie muss bereitgestellt und importiert werden
Erneuerbare Energien Heimische Erzeugung erhöhen Weniger fossile Importe
Diversifizierung Lieferquellen verbreitern Geringeres Risiko einzelner Lieferanten

Die strategische Stärke entsteht aus dem Zusammenspiel aller drei Ansätze. (Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security")

Die Lage im Spätsommer 2026 - Energiesicherheit unter geopolitischem Druck

Wie relevant Deutschlands strukturelle Energieabhängigkeit ist, zeigte sich im Spätsommer 2026 besonders deutlich. Ende August waren die deutschen Gasspeicher nur zu rund 53 Prozent gefüllt und damit deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen der Vorjahre. Die Bundesnetzagentur bewertete die Versorgungslage zu diesem Zeitpunkt zwar als stabil, nahm die niedrigen Speicherstände jedoch nach eigenen Angaben „sehr ernst". Für die Versorgungssicherheit seien nicht allein die Speicherstände entscheidend, sondern das Zusammenspiel von Pipelineimporten, LNG-Importen, Infrastruktur, Speichern und Energienachfrage.

Gleichzeitig verdeutlichte die Lage an der Straße von Hormus, wie schnell geopolitische Konflikte zentrale Transportwege für Energie beeinträchtigen können. Anfang September 2026 lag die Zahl der dort erfassten Schiffspassagen zeitweise bei nur rund fünf pro Tag und damit deutlich unter dem vorausgegangenen Zehn-Tages-Durchschnitt. Am 1. September wurden zudem zwei mit saudischem Rohöl beladene Supertanker beim Verlassen der Meerenge von Projektilen getroffen. Solche Störungen wichtiger Handelsrouten können sich insbesondere für stark importabhängige Staaten über Energiepreise und Versorgungsrisiken bemerkbar machen.

Auch energiepolitisch war 2026 ein wichtiges Jahr. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz wurden zentrale Vorgaben für den Gebäudebereich neu gefasst. Gleichzeitig brachte die Bundesregierung eine Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) auf den Weg. Damit wurde neu darüber verhandelt, welche Rolle nationale Effizienzziele, Unternehmenspflichten, Energiemanagement und Abwärmenutzung künftig spielen sollten.

Die Entwicklungen machten einen grundlegenden Zusammenhang sichtbar: Während geopolitische Krisen die Risiken einer hohen Energieimportabhängigkeit offenlegten, wurden gleichzeitig politische Entscheidungen über den künftigen Energiebedarf Deutschlands getroffen. Aus Sicht der Energiesicherheit ist deshalb nicht nur entscheidend, woher Energie kommt, sondern auch, wie viel davon überhaupt benötigt wird. Jede dauerhaft eingesparte Kilowattstunde muss weder importiert noch transportiert, gespeichert oder im Krisenfall abgesichert werden.

(Quelle: Bundesnetzagentur (o.D.);  Reuters (2026a); Reuters (2026b): Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2026); Deutscher Bundestag (2026))

Fazit: Energiesicherheit beginnt beim Energiebedarf

Deutschland wird auch künftig auf internationale Energiemärkte angewiesen sein. Lieferquellen zu diversifizieren, erneuerbare Energien auszubauen und kritische Infrastruktur zu schützen, bleiben deshalb zentrale Aufgaben.

Energieeffizienz als Maßnahme reduziert Importabhängigkeit, kann Netze und Infrastruktur entlasten, senkt Energiepreisrisiken und erleichtert es, den verbleibenden Energiebedarf durch heimische erneuerbare Energien zu decken. Damit ist Energieeffizienz mehr als Klimaschutz. Sie ist ein Instrument für Energiesicherheit, wirtschaftliche Resilienz und strategische Souveränität. Energieeffizienz ist der erste Brennstoff der Sicherheit.

Souveränität. Energieeffizienz ist der erste Brennstoff der Sicherheit.

(Quelle: DENEFF Policy Brief: "The First Fuel of Security")

 

 

Autor: Christian Noll
Geschäftsführender Vorstand Deneff e. V.
www.deneff.org
christian-noll-deneff

FAQ

Was bedeutet Energiesicherheit?

Energiesicherheit bedeutet, dass Wirtschaft, Gesellschaft und kritische Infrastruktur auch bei externen Schocks zuverlässig mit Energie versorgt werden können. Dazu gehören sichere Lieferketten, ausreichende Erzeugungskapazitäten, resiliente Netze und ein möglichst geringer Energiebedarf.

Warum ist Energieeffizienz für die Energiesicherheit wichtig?

Energieeffizienz reduziert den Energiebedarf. Dadurch muss weniger Energie importiert, erzeugt, transportiert und im Krisenfall abgesichert werden. Sie kann damit die strukturelle Importabhängigkeit Deutschlands reduzieren.

Wie hoch ist Deutschlands Energieimportabhängigkeit?

2025 deckte Deutschland 65,6 Prozent seines Energiebedarfs durch Importe. Besonders hoch war die Importabhängigkeit bei Mineralöl mit 96 Prozent und Erdgas mit 89 Prozent.

Ist Energieeffizienz ein Ersatz für erneuerbare Energien?

Nein. Energieeffizienz und erneuerbare Energien ergänzen sich. Ein niedrigerer Energiebedarf bedeutet, dass eine bestimmte Menge heimisch erzeugter erneuerbarer Energie einen größeren Anteil des Gesamtbedarfs decken kann.

Was bedeutet „Energy Efficiency First“?

„Energy Efficiency First“ bedeutet, Energieeffizienz bei relevanten politischen, planerischen und größeren Investitionsentscheidungen systematisch zu berücksichtigen. Das Prinzip ist in der EU-Energieeffizienzrichtlinie rechtlich verankert.

Welche Rolle spielt Energieeffizienz für kritische Infrastruktur?

Ein geringerer Energiebedarf kann die Abhängigkeit kritischer Einrichtungen von einer kontinuierlichen Energieversorgung reduzieren und die Bewältigung von Versorgungsstörungen erleichtern. Die DENEFF fordert deshalb, Energieeffizienz stärker in die Resilienzplanung kritischer Infrastruktur einzubeziehen.

Welche Rolle spielt Energieeffizienz für die Verteidigung?

Energieeffiziente militärische Infrastruktur kann den Energie- und Logistikbedarf stationärer Einrichtungen reduzieren. Dadurch können knappe Energieressourcen stärker für operative Fähigkeiten eingesetzt werden, bei denen eine Elektrifizierung oder Substitution nicht möglich ist.

Warum ist Energieeffizienz auch für Unternehmen relevant?

Effizienzmaßnahmen können Energiekosten und Energiepreisrisiken reduzieren. Gleichzeitig stärkt die Energieeffizienzwirtschaft technologische Kompetenzen und heimische Wertschöpfung. Die DENEFF verweist auf rund eine Million Beschäftigte in der deutschen Energieeffizienzwirtschaft.

Weiterführende Quellen